Hier finden Sie Ankündigungen und aktuelle Berichte zu Veranstaltungen des RGHV

(Letzte Aktualisierung am 16.1.2019)

Eine Übersicht über das Jahresprogramm 2019 finden sie auf der Seite Veranstaltungen!



Reichspogromnacht vor 80 Jahren:

Vortrag und Gedenkveranstaltung
"Wider das Vergessen"

Plakatgestaltung: Axel Gers

Unter der Anteilnahme von fast 100 Besuchern fand am 9. November 2018 die Gedenkveranstaltung anlässlich des gegen die örtlichen jüdischen Mitbewohner gerichteten Pogromgeschehens vor 80 Jahren statt.

Eingeführt durch Pfarrer Lothar Berger und nicht nur musikalisch hervorragend begleitet duch Karola Bausum mit der Schola der kath. Kirchengemeinde, hielten der RGHV-Vorsitzende Dr. Karsten Brunk und der Rosbacher Bürgermeister Thomas Alber ihre Ansprachen.

Als Abschluss seiner Ausführungen zum Schicksal der letzten Rodheimer Juden zitierte Karsten Brunk einen Auszug aus dem Schreiben eines jüdischen Nachkommen, dessen Mutter als einzige Überlebende ihrer Familie noch rechtzeitig die Flucht von  Rodheim ins südliche Afrika gelungen war. Der Brief ist 2008 verfasst worden:

„… Ich […] wuchs im (ehemaligen) Deutsch-Südwestafrika auf, und Deutsch war für mich eine Sprache, die wir zu Hause sprachen. Unsere Familie […] Stern lebte Jahrhunderte in Rodheim […]. Für meinen Vater, meine Mutter und Generationen meiner Familie war Rodheim Heimat. Sie gingen hier zur Schule und gingen in diesen Dörfern ihren Viehgeschäften nach. In dieser Gegend trieben sie Sport und gründeten ihre Familien. Es gab Synagogen und ein reiches jüdisches Gemeinleben. Die Grabsteine vieler verstorbener Mitglieder meiner Familie stehen in einem würdigen Park ausserhalb von Rodheim.

Natürlich haben die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 einen langen Schatten auf die Geschichte der Juden in Deutschland geworfen. Am [...] 10. November 1938 wurde unsere Rodheimer Synagoge während der Geschehnisse der Kristallnacht zerstört. Die Jahre danach waren furchtbare Jahre für das jüdische und das deutsche Volk.

Und dennoch sind wir heute fähig, auch gute Gefühle zu feiern. Ich bin dankbar dafür, dass sich gut gesinnte Menschen darum bemüht haben, positive Erinnerungen und die guten Seiten unseres Zusammenlebens wiederzuentdecken. Wir sind wirklich dankbar dafür, und wir schätzen die Gastfreundschaft, mit der Mitglieder unserer Familie hier wieder empfangen werden. Rodheim ist Teil unseres gemeinsamen Erbes, und wir sind dankbar für den guten Willen und die Freundschaft, (die uns hier entgegen gebracht werden). Das jüdische Museum [in Berlin, 2001 eröffnet] ist ein positives Zeichen für Bemühungen, auf das Gute und Schöpferische (in diesen Beziehungen) zu schauen, auch wenn das Traurige und die schwierige Erinnerung für alle von uns immer gegenwärtig sind.“

Was für großartige und versöhnliche Worte, für die vor allem wir besonders dankbar sein müssen!

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung in der ev. Kirche begaben sich die Anwesenden zum Mahnmal für die am 10. November 1938 zerstörte Synagoge in der Wethgasse. Dort wurde ein Gesteck abgelegt und nach einer Gedenkminute mit  abschließendem Gebet wurde die Veranstaltung beendet.

 


Vortrag "Schicksale und Lebenswege jüdischer Familien in Rodheim"

am 26. Oktober 2018

Anders als in den meisten Orten des Deutschen Reichs fand die sog. „Reichskristallnacht“ in Rodheim erst einen Tag später, nämlich am Nachmittag des 10. November 1938 statt. Die Auswirkungen für die wenigen noch verbliebenen ortsansässigen Juden, die bis dahin Haus an Haus mit ihren nichtjüdischen Nachbarn gelebt hatten, waren jedoch nicht weniger dramatisch. In einem sorgfältig recherchierten Vortrag berichtete Dr. Karsten Brunk, Vorsitzender der Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins (RGHV) vor 40 Interessierten über die Schicksale jener, denen nicht die rechtzeitige Ausreise in außereuropäische Länder gelungen ist. Denn mit ca. 30 Personen ist knapp die Hälfte der ehemals in Rodheim lebenden jüdischen Mitbürger im Holocaust umgekommen. Die letzten 3 Familien hatten nach dem Novemberpogrom spätestens im Frühjahr 1939 Rodheim verlassen. Nach diversen Zwischenstationen, vor allem in Frankfurt, waren sie 1942 „nach Osten“ deportiert worden. Dort gelten einige als verschollen, die meisten wurden in Konzentrationslagern ermordet.

"Eine Familie wurde sogar komplett ausgelöscht", sagte der Referent. Namen wie Stern, Borngässer und Levi, aber auch Simon oder Strauß waren damals im Adressbuch von 1926 zu finden. Schon vor über dreißig Jahren hatte Brunks Amtsvorgängerin Doris Fischer das Thema Judenverfolgung in Rodheim aufgegriffen und Kontakte zu den Überlebenden oder deren Nachkommen geknüpft. Nicht selten lagen viele tausend Kilometer zwischen Rodheim und dem jetzigen Heimatort ihrer Ansprechpartner. Brunk: "Doris Fischer war rundum mit dem Thema vertraut und lieferte viele wertvolle Beiträge über das Schicksal der einstigen Mitbürger." 

Auch Ex-Bürgermeister Alwin Biedenkapp widmete sich dem Thema Juden in Rodheim. Sein in Mundart geschriebenes Werk "Roaremer Jurre" ist voll von Informationen über die jüdischen Familien und die Art und Weise des Zusammenlebens mit den übrigen Rodheimern. Wo haben die Juden in Rodheim gelebt, wer heiratete wen, welchem Beruf ging man nach, und wie sahen die Reaktionen der Juden und Nichtjuden aus, als der Druck des NS-Regimes und seiner oft willigen Gefolgsleute immer stärker wurde? Dies zeigte sich dann vor allem am Tag der „Judenaktion des deutschen Volkes“ im November 1938 mit seinen Plünderungen, Inhaftierungen und der vollständigen Zerstörung der Rodheimer Synagoge in der Wethgasse.

 Brunk liegt es am Herzen, das Schicksal jener Menschen, die das Schreckliche erleben mussten, anderen nahe zu bringen. Dies wird auch dadurch unterstützt, dass die Familienschicksale mit konkreten Örtlichkeiten (Häusern) verknüpft werden. So zum Beispiel bei der Schilderung der Pogromattacken gegen die angesehene Familie der Lederhandlung David Stern in der Wethgasse. Der Vortrag hinterließ viele nachdenkliche und bedrückt wirkende Zuhörer.


 

Präsentation rekonstruierter Kirchenmauern
und historischer Ortsrundgang

 

am 9. September

 

 

WZ vom 12.9.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Angelika Beuck


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