Hier finden Sie Ankündigungen und aktuelle Berichte zu Veranstaltungen des RGHV

(Letzte Aktualisierung am 30.11.2022)

Eine Übersicht über das Jahresprogramm 2022 finden Sie auf der Seite Veranstaltungen!


Wie in den letzten beiden Jahren kann es auch weiterhin zu coronabedingten Änderungen oder Einschränkungen bezüglich der Durchführbarkeit unserer Veranstaltungen kommen.


Das Kriegsende 1945 in der Wetterau

Ulf Wachsmuth aus Ober-Rosbach referierte am 18. November 2022 über die letzten Kriegstage in unserer Region

Obwohl sich die deutsche Wehrmacht im Frühjahr 1945 durch das Vorrücken amerikanischer Truppen zunehmend auf dem Rückzug und in Auflösung befand, sah sich die Bevölkerung der Taunusregion und der Wetterau auch nach der Besetzung ihrer Heimat durch die Amerikaner weiteren Kampfhandlungen ausgesetzt. Reste der stark geschwächten aber weiterhin kampfbereiten 6. SS-Gebirgsdivision „Nord“, mit der sich Ulf Wachsmuth eingehend beschäftigt hat, zogen in den letzten Märztagen um Ostern 1945 vom Taunus kommend in Richtung Büdingen. Wenige Tage später wurden sie im Raum Kefenrod von amerikanischen Truppen endgültig zerschlagen. Auf ihrem Weg hinterließen sie jedoch noch einmal eine Spur der Gewalt, es gab zahlreiche Opfer unter Soldaten und Zivilisten. Ursprünglich war diese Division der Waffen-SS in Finnland eingesetzt gewesen und auf ihrem Rückzug im Westen bereits erheblich dezimiert worden.

Ob die im Rodheimer Wald zwischen dem 31. März und dem 1. April zu Tode gekommenen acht Soldaten Opfer dieser Truppe wurden, ist ungewiss. Sie waren erschossen am 2. April 1945 von einem Kraftfahrer, der Holz aus dem Wald holen wollte, gefunden worden. Ähnliche Vorkommnisse gab es in den Nachbargemeinden Ober Rosbach und Köppern, auch in Ockstadt. Die Toten wurden auf den jeweiligen Gemeindefriedhöfen bestattet, die Ruhestätten als Kriegsgräber gekennzeichnet. Die in Rodheim Bestatteten konnten bis auf einen Soldaten namentlich identifiziert werden. Auffallend ist, dass zumindest die im Rodheimer Wald aufgefundenen Soldaten verschiedenen Truppenteilen angehörten, so dass davon ausgegangen werden kann, dass hier Menschen versuchten, in den ausgehenden Kriegswirren ihre Heimatregionen zu erreichen.

Hölzerne Grabkreuze der im Rodheimer Wald getötene Soldaten auf dem Rodheimer Friedhof

Sieben der in Rodheim bestatteten Soldaten wurden 1966 auf den Kriegsgräberfriedhof in Ulrichstein im Vogelsberg umgebettet. Die Grabstätte von Fritz Lösner blieb in Rodheim und befindet sich heute südlich der alten Trauerhalle.

 Ulf Wachsmuth hat in Zusammenarbeit mit dem Buchautor Dr. Roland Krebs ("Die letzte Schlacht im Taunus") eine Fülle von Informationen zusammengetragen und dem zahlreich erschienenen Publikum die tragischen Ereignisse der letzten Kriegstage 1945 lebendig werden lassen.

Text: Ute Veit


Das Rodheimer Schöffengericht im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Vorstandsmitglied Joachim Beuck referierte beim Rodheimer Geschichts- und Heimatverein (RGHV) am 21. Oktober 2022

Zunächst stellte der studierte Jurist die Grundlagen der modernen Rechtsstaatlichkeit, wie das vom Staat geschaffene verbindliche Recht, das staatliche Gewaltmonopol und die Gewaltenteilung vor, um den Unterschied zum mittelalterlichen Recht deutlich zu machen. Dieses war dadurch gekennzeichnet, dass die Gerichte mit Laien besetzt waren, die meistens weder lesen noch schreiben konnten. Entschieden wurde nach mündlich überlieferten Rechtsgewohnheiten, dem „alten Herkommen“. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde damit begonnen, die angewendeten Rechtsgrundsätze aufzuschreiben.

Besetzt waren die Gerichte mit Schöffen, deren Aufgabe es war, zu urteilen, das heißt, die Gerichtsentscheidung zu fällen. Der Richter - meist der Graf oder als dessen Vertreter der Schultheiß - leitete lediglich die Verhandlung, verkündete die Entscheidung und hatte die Umsetzung des Urteils zu verantworten.

Die älteste Urkunde, die das Gericht in Rodheim erwähnt, wurde 1305 ausgestellt. Beuck konnte darstellen, dass das Gericht aber schon vor 1255 existiert haben muss. Es tagte am Marktplatz „unter dem Spielhaus“, also in dem offenen Raum im Erdgeschoss des ehemaligen Rodheimer Rathauses. Bei schwierigen Fällen oder wenn sie uneinig waren, holten sich die Rodheimer Schöffen Rat beim Friedberger Stadtgericht.

Das Rodheimer Gericht war ein Hochgericht, das im Unterschied zu einem Niedergericht auch Körperstrafen verhängen konnte, bis hin zur Todesstrafe, was der Referent am Fall des 1583 hingerichteten Wendel Buch konkret belegen konnte. Die Kosten, die für diese Hinrichtung angefallen waren, sind in der Rodheimer Bürgermeisterrechnung von 1583 detailliert aufgeführt. Anhand von historischen Karten konnte der Referent auch zeigen, wo sich die Hinrichtungsstätte befand. Sie lag neben der Landstraße am Lohgraben, also unmittelbar an der Grenze zur Nieder-Rosbacher Gemarkung.

Zum Schluss stellte der Referent noch kurz die mittelalterlichen Gerichtsbezirke vor, die unmittelbar an Rodheim angrenzten.

Text: Ute Veit und Joachim Beuck, Foto: Ute Veit


Überwältigendes Interesse an Rodheimer Ortsgeschichte

Historischer Ortsrundgang durch Rodheim v.d.Höhe
mit Landfrauenkaffee

Mindestens 120 Teilnehmer strömten auf den Rodheimer Marktplatz am Kirchturm, wo am 9. Juli ein historischer Ortsrundgang seinen Ausgang nahm. Im Laufe der Begrüßung und Einführung durch den RGHV-Vorsitzenden Dr. Karsten Brunk und Schriftführer Joachim Beuck trafen außerdem noch die rund 20 Gäste aus den Rosbacher Partnerstädten Netschkau (Vogtland), Saint-Germain-lès-Corbeil (Frankreich) und Ciechanowiec (Polen) ein. Der Rodheimer Geschichts- und Heimatverein hatte im Rahmen der Festlichkeiten zum 50-jährigen Stadtjubiläum von Rosbach v. d. Höhe zu dieser Führung eingeladen. Und die Rodheimer Landfrauen boten mit ihrem Kaffee-Kuchen-Angebot auf dem Marktplatz eine überaus willkommene kulinarische Ergänzung dazu an.

Sechs markante Ziele innerhalb der Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissenen mittelalterlichen Ortsbefestigung wurden angesteuert. Zunächst die untere Wethgasse, wo über frühere Großbrände und Löschwasserversorgung informiert wurden. In unmittelbarer Nähe befand sich auch die im Pogromgeschehen am 10. November 1938 niedergebrannte Synagoge, an die ein Gedenkstein dort erinnert. Weiter ging es zur Hauptstraße zum Standort der frühesten lutherischen Kirche und über den Park, der bis 1906 der Rodheimer Friedhof war, zur Pfortgasse. Dort stand ehemals das Obertor der ab 1362 gebauten Ortsbefestigung. Im letzten Jahr war im Rahmen von Straßenbauarbeiten eine archäologisch begleitete Grabung erfolgt mit neuen Erkenntnissen zur Bausituation.

Nächstes Ziel war die Alte Schule (seit 2001 Kita "Alte Schule") in der Junkergasse, die 1864 als erste staatliche Schule erbaut worden war, wie der nahe Junkernhof auf damals Bellersheim'schen Grund. Die Herren von Bellersheim waren im 16. Jahrhundert von dem wüst gefallenen Ort Stürzelheim nach Rodheim übergesiedelt.

Über die Königstraße, wo an einer Stelle noch ein kleines Stück der alten Ortsbefestigung zu sehen ist, zur Thurngasse, dem Standtort des ehemals markanten Kriminalturms, vom dem heute keine Reste mehr erhalten sind. Wir kennen ihn aber aus der Ortsansicht von 1714. Letzte Station waren die Evangelische Kirche und das ehemalige Hanauer Amtshaus, das spätere Rodheimer Rathaus, und danach rief zum gemeinsamen Ausklang das köstliche Kuchenbuffet der Rodheimer Landfrauen! 

Text: Ute Veit und Karsten Brunk, Fotos: Ute Veit


Rosbach rollt

Radtour "Geschichte unserer Kulturlandschaft"

am 26. Mai

Wie im vergangenen Jahr hat der RGHV im Rahmen der Aktion Stadtradeln 2022 wieder eine Radtour angeboten. Unter dem Motto „Rosbach rollt – Auf die Räder, fertig, los!“ fanden sich dazu am 26. Mai zahlreiche Teilnehmer auf dem Rodheimer Marktplatz ein. Nach einem Abriss zur Ortsgeschichte durch das Vorstandsmitglied Joachim Beuck, ging es unter der Leitung des RGHV-Vorsitzenden Dr. Karsten Brunk auf einen 20 km langen Rundkurs durch die Landschaft.

Entlang der Fahrtstrecke der Radtour "Geschichte unserer Kulturlandschaft" gab es an einer Reihe von Punkten Wissenswertes zur Geschichte der Landschaft und deren vielfältige und nachhaltige Überprägung durch die menschliche Nutzung zu vermitteln. Hier nur eine Auswahl der vor Ort erläuterten Merkmale und Erscheinungen, wie die Entstehung von Wüstungen und Hohlwegen, die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Alten Berges, die Entwicklung und Ausprägung von Hoheits- und Gemarkungsgrenzen, die Geschichte der Altstraßen in der Region, die Spuren der Gewinnung von Lehm, Sand, Kies und Steinen in der Landschaft, die Grabhügel aus der Bronzezeit und ein Rückblick über die geologische Entwicklung des Senkungsgebietes Wetterau mit ihren seit Jahrtausenden geschätzten Vorzügen.

Text: Karsten Brunk, Fotos: Carine Brunk


Wüstung Stürzelheim, Landwehr, Alte Burg, Erlenbachmühlen und Leitungswasser

Gemarkungswanderung am 30. April

Das Gras ist regennass und es ist kalt am 30. April – dennoch starten unter der Leitung von Karsten Brunk am späten Vormittag rund 30 Personen zu einer geschichtlichen Wanderung durch die ehemalige Stürzelheimer Terminey und bis zu den Rodheimer Mühlen am Erlenbach. Das an Burgholzhausen angrenzende Gebiet der Wüstung Stürzelheim ist heute Teil der Rodheimer Gemarkung.

Jenseits der Stürzelheimer Weide war bald der noch genau lokalisierbare Standort des burgartigen Hofes der Familien von Stürzelheim bzw. von Bellersheim erreicht. Das Anwesen im „Großen Garten“ hatte sogar den Wüstungsprozess im Gefolge der Pestwellen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts überdauert, von dem der Weiler Stürzelheim betroffen war. Spätestens im Laufe des 16. Jahrhunderts haben die von Bellersheim aber im befestigten Nachbarort Rodheim Besitz erlangt und später dort auch Wohnrecht erhalten. Das Anwesen Junkernhof zeugt bis heute davon.

Nächster Standort der Wanderung war die sogenannte Stürzelheimer Landwehr an der Grenze mit Burgholzhausen. Wie häufig und nachhaltig um den exakten Verlauf der Grenzmarken gestritten wurde, und das auch mit direkten Eingriffen und Disputen vor Ort, konnte mit Zitaten aus Grenzgangsprotokollen und mit Grenzrissen (Karten) dokumentiert werden. Entlang der letztlich seit 1783 ausgesteinten Gemarkungsgrenze ging es weiter bis an die Weinstraße, wo die Grenze der Stürzelheimer Landwehr im rechten Winkel nach Norden abknickt.

Der Weinstraße folgend, war an dieser historischen Wagenstraße oberhalb des Steilufers des Erlenbachs schon früh eine Schutzburg entstanden, die sogenannte Alte Burg von Holzhausen. Die Burganlage war bereits 1241 zerstört und nie wieder aufgebaut worden. Einige Personen mit dem Namenszusatz der damals ansässigen Lehensleute auf der Burg und im benachbarten Holzhausen, die sich ab etwa 1200 als von Holzhausen bezeichneten, haben vor allem im Stadtadel von Frankfurt nachhaltige Spuren hinterlassen.

Spätestens im 18. Jahrhundert sind die Burggräben verschüttet worden, auf deren südlichen Abschnitten später der Friedhof der Rodheimer Synagogengemeinde, zu der u.a. auch Burgholzhausen gehörte, angelegt wurde. Um 1830, 1842 und 1882/83 kam es zu Erweiterungen des Areals, das in der Nacht zum 10. November 1938 Nazi-Schergen geschändet und zerstört haben.

In Anbetracht des kühlen Wetters war anschließend eine Picknick-Pause am Erlenbach sehr willkommen. Im Windschutz eines Pavillons hatten hier Margot Mehring und Ute Veit etwas Leckeres zum Verzehr im Angebot.

Auch Rodheim hat mindestens eine ehemalige Mühle am Erlenbach, nämlich die Dickmühle. Sie wurde, wie auch die oberhalb am gleichen Mühlgraben liegende Tannenmühle, über lange Zeit von Müllern der Familie Vorbach betrieben, von denen seit langem ein Zweig bis heute in Rodheim beheimatet ist. Unterschiedliche Auffassungen gibt es seit Jahrhunderten bezüglich der territorialen Zugehörigkeit der Tannenmühle (auch bekannt als gebrannte Mühle oder Grunermühle). Also wieder Streitigkeiten mit teilweise kuriosen Ereignissen, die ihren Niederschlag in historischen Grenzrissen und Protokollen gefunden haben. Noch heute teilt die Gemarkungsgrenze das Gelände der seit 1959 nicht mehr betriebenen Mühle.

Auf dem Rückweg über den alten Mühlweg war schließlich ein Bauwerk auf dem Stotzenberg der letzte Haltepunkt. Der mit „Wasserversorgung Rodheim und Holzhausen 1927“ beschriftete Hochbehälter gehört zu den wichtigsten Meilensteinen in der langen Geschichte der örtlichen Wasserversorgung, als eine neue Wasserleitung aus Ober-Rosbach die Trinkwasserversorgung aus den innerörtlichen Brunnen ersetzte. Zu dem 1928 fertiggestellten Großprojekt gehörte neben individuellen Hausanschlüssen für das Leitungswasser auch der Bau einer Kanalisation. Bemessungsgrundlagen für den Wasserverbrauch waren bis 1953 nicht die tatsächlichen Wassermengen in m³, sondern Kriterien wie u.a. die Personenzahl im Haushalt, das Vorhandensein von Bad/Klo und die Anzahl an Stück Großvieh/Kleinvieh.

Text: Karsten Brunk, Fotos: Carine Brunk und Ute Veit


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