Vortrag

am

23.10.2023

Alwin Biedenkapp

Aus dem Leben und Wirken des letzten Rodheimer Bürgermeisters

Im Dezember 2020 wäre Alwin Biedenkapp, der letzte Rodheimer Bürgermeister, 100 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum hat dessen Tochter und RGHV-Vorstandsmitglied Ute Veit zum Anlass genommen, seinen Lebenslauf im Kontext der Zeitgeschichte und des Geschehens in der Dorfgemeinschaft zu rekonstruieren. Die Präsentation der Recherchen fand am 23. Oktober im Bürgerhaus Rodheim einen mit großem Beifall honorierten Zuspruch.

Ein herzliches Dankeschön unter „Corona-Bedingungen“ vom RGHV-Vorsitzenden Dr. Karsten Brunk für die Referentin Ute Veit

Familiäre Hintergründe und die ersten Lebensabschnitte im dörflichen Kontext standen am Anfang der Ausführungen. Dazu gehörten der Besuch der Kleinkinderschule und der Volksschule, sowie die Konfirmation im Frühjahr 1935, gefolgt von der knapp vierjährigen Lehre und Ausbildung zum Schriftsetzer in Friedberg. Nach nur wenigen Monaten der Berufstätigkeit als Maschinensetzer bestimmte dann ab dem Herbst 1939 der 2. Weltkrieg für 5 ½ lange Jahre das Schicksal des jungen Mannes als Soldat. Viele Stationen seines Kriegseinsatzes, die von der Bretagne bis in den Kaukasus reichten, hat Alwin Biedenkapp mit der eigenen Kamera dokumentiert und kritisch kommentiert – Zitat: „Der Größenwahnsinn kannte keine Grenzen mehr. Nachdenken durfte man darüber nicht. Wir saßen alle im gleichen Schiff, das von einem Irren gesteuert wurde. Aussteigen hätte ohnehin den Tod bedeutet“.

Bereits ein Jahr nach dem Kriegsende begann dann sein kommunalpolitisches Wirken im Dienste der Gemeinde Rodheim vor der Höhe – zunächst bis Ende 1960 als Kassenverwalter und anschließend bis 1972 als Bürgermeister. In der ersten Periode galt es zunächst die kriegsbedingten Herausforderungen in der Gemeinde zu bewältigen. Anschließend war er maßgeblich an der Realisierung von Großprojekten beteiligt, die Rodheim heute noch besonders prägen, wie das Schwimmbad und der Kindergarten mit Dorfgemeinschaftshaus. Besondere Anerkennung erwarb sich Alwin Biedenkapp ab 1961 in den 12 Jahren im Amt des Bürgermeisters, in denen er zahlreiche weitere Projekte angestoßen, begleitet und umgesetzt hat, wie z.B. die Errichtung der am 20. August 1966 eröffneten Mittelpunktschule – Erich Kästner-Schule. Das vielfältige und überaus engagierte öffentliche Wirken für seine Heimatgemeinde fand dann ein Ende mit dem Verlust der kommunalen Eigenständigkeit Rodheims im Jahr 1972 – ein Vorgang, der für Alwin Biedenkapp besonders schmerzlich gewesen war.