Im Jahr 2025 jährte sich zum 20. Mal die Aufnahme des Obergermanisch-Raetischen Limes zusammen mit dem Hadrians- und dem Antoniuswall in Großbritannien in die Liste der Weltkulturerbestätten durch die UNESCO. Aber noch immer wartet die ehemalige Außengrenze des Römischen Reiches, errichtet gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. und bis etwa 260 n. Chr. genutzt, trotz jahrzehntelanger Forschung mit Überraschungen auf. Hierüber referierte Dr. Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe des Rheingau-Taunus- und des Hochtaunuskreises und Limeskoordinator für Hessen, beim RGHV.
Etwa 150 km lang ist der hessische Abschnitt des Limes, der von einer frühen Schneise mit Palisadenzaun zu einer aufwändigen Wall-Graben-Anlage weiterentwickelt wurde und in Waldgebieten besser als in der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Teilen noch erkennbar ist. Weithin sichtbar und zur Informationsweitergabe genutzt, die Limes-Wachtürme, zunächst in Holz-, später in Steinbauweise errichtet. Dr. Mückenberger fokussierte seine Ausführungen dann auf den Taunus-Wetteraulimes. Dessen Verlauf muss in manchen Bereichen korrigiert werden, wie geophysikalische Messungen ergeben haben, weg von der bisher angenommenen geraden Ausrichtung hin zur Anpassung an die topographischen Gegebenheiten im Gelände. Geophysikalische Untersuchungen waren es auch, die aus dem bisher bekannten „Kleinkastell“ Echzell Erkenntnisse zu dessen veritabler Größe lieferten.
Besonders beeindruckend waren die Ergebnisse, die Ausgrabungen in unmittelbarer Nähe des Kastells Kapersburg erbrachten. Man fand auf einer durch Umwelteinflüsse entwaldeten Fläche in nur geringer Tiefe Mauerreste des bislang nicht lokalisierten Vicus, dem Lagerdorf, in dem die Familien der Auxiliarsoldaten und Handwerker ansässig waren. Herausragend war hier der Fund eines Weihesteins, dessen Inschrift ihn dem Kriegsgott Mars widmet und Saturnius Vestitutus als Auftraggeber nennt.
Im Kohortenkastell Arnsburg-Alteburg bei Muschenheim konnte in den Jahren 2020 – 2022 ein Bustumgrab, eine aufwändig angelegte Brandbestattung, mit exzellenten Beigaben freigelegt werden. Viel Neues also zum Limes!
Text: Ute Veit
