Ein wenig suchen mussten wir sie, die Zeiteninsel, das neueröffnete Archäologische Freilichtmuseum nahe Marburg. Eine Straßensperrung und die rudimentäre Beschilderung sorgten zunächst für kleine Verwirrungen. Aber zu Fuß über einen holprigen Wiesenweg wurde das erst im Juli neu eröffnete „Inselzentrum“, das Besucherzentrum der Anlage, noch pünktlich erreicht. Gebaut wird an der Zeiteninsel seit etwa 2010, ab 2014 begann der Museumsbetrieb. Ausschlaggebend für den Museumsstandort waren archäologische Funde mehrerer Epochen im Rahmen des industriellen Kiesabbaus in Nieder-Weimar. Gästeführer Matthias Koch-Schirrmeister leitete uns zunächst u.a. über 2 sehr „authentische“ Brücken zu einem mittelsteinzeitlichen Lagerplatz mit typischem Bewuchs und Unterständen, danach ging es zum Langhaus der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur. Die Gebäude im Maßstab 1:1 sind allesamt begehbar und weisen typische Inneneinrichtungen auf. Es folgten Anlagen der Bronze- und der Eisenzeit sowie der Römischen Kaiserzeit. An allen Objekten entstand durch die lebendigen Schilderungen von Herrn Koch ein Lebensbild der früheren Bewohner. Vertieft wurde der Eindruck durch einige historisch gewandete Mitarbeiter des museumspädagogischen Konzepts, die alte Handwerke darstellten.
Weiter nach Marburg. Gestärkt durch ein gutes Mittagessen waren wir bereit für Herrn Hans-Joachim Kaiser, der uns nach einer spannenden Einführung bergauf und bergab durch die am Schlosshügel gebaute Marburger Altstadt (Oberstadt) begleitete, vorbei am Relief der Heiligen Elisabeth am Rathaus, durch verwinkelte Gassen, entlang der Fassaden wunderschöner Fachwerkbauten. Marburg war im Krieg unzerstört geblieben und weist eine beeindruckende alte Bausubstanz auf. Es ist aber auch eine sehr junge, quirlige Stadt, wozu die vielen Studenten im Stadtbild beitragen. Marburgs Universität war bereits 1527 durch Philipp den Großmütigen als eine der ersten protestantischen Universitäten gegründet worden. Sie ist die älteste hessische Hochschule und beherbergt heute etwa 20.000 Studenten.
Beim Ausklang bei Kaffee und Kuchen konnten wir die neu gewonnenen Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen. Eine sehr schöne Exkursion bei bestem Wetter!
Text und Fotos: Ute Veit
