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Oppenheim und Worms entdecken

Erneut ging es dieses Mal – nach der letzten Tagesexkursion des RGHV nach Ingelheim im Vor-Corona-Jahr 2019 – nach Rheinhessen. Oppenheim und Worms waren die Ziele.

Nach einer spätsommerlich-morgendlichen Fahrt am Rhein entlang wurde Oppenheim erreicht. Der Ort besticht durch sein Stadtbild, geprägt von der gotischen Katharinenkirche, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde und die schöne historische Altstadt krönt. Unmittelbar hinter der Kirche in der Michaelskapelle das Beinhaus, eines der größten überhaupt, in das aus Platzmangel auf den Friedhöfen vom 15. bis Mitte des 18. Jahrhunderts die Skelette von etwa 20.000 Oppenheimern umgebettet worden waren. Danach erkundeten wir das „Oppenheimer Kellerlabyrinth“, ein einzigartiges Kulturdenkmal, das zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert als Weinkeller und Lagerplatz gebaut wurde, kilometerlang, verschachtelt, aneinandergereiht, teilweise in mehreren Stockwerken übereinander angelegt.

Gestärkt durch ein gutes Mittagessen im Deutschen Weinbaumuseum zog es einige der Teilnehmer hinauf zur Ruine der Burg Landskron, während sich die anderen die Vielfalt der Exponate im Museum ansahen. Vom Traktor bis zur Mausefalle – es ist alles da!

Nachmittags nahm uns die Stadtführerin Frau Aßmann-Weinlich in Worms in Empfang und begleitete uns kenntnisreich durch die Stadt. Das UNESCO-Welterbe der jüdischen Zeugnisse in Worms war das Thema der Führung. 2021 waren die Relikte jüdischen Lebens der sogenannten SchUM-Städte (Mainz, Worms und Speyer) durch die UNESCO als 50. Welterbestätte in Deutschland erklärt worden. So führte unser Weg vom jüdischen Viertel mit der Judengasse und der beeindruckenden Synagoge, die auch von innen besichtigt werden konnte, zum jüdischen Friedhof „Heiliger Sand“, dem ältesten am Ort erhaltenen jüdischen Friedhof in Europa. Ebenfalls erhalten ist die Mikwe, das Ritualbad, die aber derzeit saniert wird und daher nicht besucht werden kann.

Ein toller Abschluss der Fahrt war die Einkehr ins Weingut Göhring in Flörsheim-Dalsheim zur Vesper mit Weinprobe, wo wir freudig empfangen wurden. Von dort kam 2005 im Jahr unserer 1200-Jahrfeier der „Jubiläumswein“, eine freundschaftliche Verbindung mit dem RGHV besteht seit Jahren.

Die keltischen Fürstengräber vom Glauberg

Die Kelten, ihre Kultur und Lebensart, ihre Handelsbeziehungen, ihre Begräbnissitten und Jenseitsvorstellungen waren Thema eines Veranstaltungskomplexes des RGHV am 5. und 6. Mai 2023.

Stephan Medschinski, seit mehr als zwei Jahrzehnten am Glauberg und seit dessen Eröffnung 2011 im Glauberg-Museum tätig, quasi „ein Mann der ersten Stunde“, referierte am 5. Mai über die Entdeckung und die Bedeutung der drei Fürstengräber. Vor etwa 2500 war das exponiert liegende Plateau des „Tafelbergs“ Glauberg keltisch besiedelt auf einer etwa 12 Hektar großen Fläche, umgeben von einer 2 km langen hohen Schutzmauer. In den wissenschaftlichen Fokus rückte der Glauberg, nachdem Ende der 1980-er Jahre luftbildarchäologisch dort ein eingeebneter großer Grabhügel entdeckt wurde. Ausgrabungen förderten 3 Gräber mit herausragenden Grabbeigaben zutage. Die Sensation war perfekt, als 1996 am Grabhügel die lebensgroße Statue des „Keltenfürsten“ ausgegraben wurde, dessen steinerne Ausstattung sich in den Grabbeigaben in Grab 1 wiederfindet, die Waffen, der Schmuck und Teile der Mistel-Blattkrone, die den Bestatteten auch als einen frühen Druiden ausweisen könnte.

Die Theorie wurde durch Stephan Medschinki am Folgetag im Glauberg-Museum lebendig. In einer spannenden Führung konnten sich die Teilnehmer ein Bild von der hohen handwerklichen und künstlerischen Qualität der Grabbeigaben machen, die zum Teil im Rahmen der rekonstruierten Fundsituation dargestellt waren. Mit einem Blick vom Dach des Museums auf den Grabhügel, die Prozessionsstraße und in die Weite der rapsblühenden Landschaft verabschiedete der Referent die Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen im Bistro. Bei ihm und der als Gast zum Vortragsabend gekommenen Direktorin der Keltenwelt am Glauberg, Frau Dr. Vera Rupp, die engagiert Aus- und Rückblicke in die Arbeit des Museums gab, bedankt sich der RGHV herzlich.

Überwältigendes Interesse an Rodheimer Ortsgeschichte

Mindestens 120 Teilnehmer strömten auf den Rodheimer Marktplatz am Kirchturm, wo am 9. Juli ein historischer Ortsrundgang seinen Ausgang nahm. Im Laufe der Begrüßung und Einführung durch den RGHV-Vorsitzenden Dr. Karsten Brunk und Schriftführer Joachim Beuck trafen außerdem noch die rund 20 Gäste aus den Rosbacher Partnerstädten Netschkau (Vogtland), Saint-Germain-lès-Corbeil (Frankreich) und Ciechanowiec (Polen) ein. Der Rodheimer Geschichts- und Heimatverein hatte im Rahmen der Festlichkeiten zum 50-jährigen Stadtjubiläum von Rosbach v. d. Höhe zu dieser Führung eingeladen. Und die Rodheimer Landfrauen boten mit ihrem Kaffee-Kuchen-Angebot auf dem Marktplatz eine überaus willkommene kulinarische Ergänzung dazu an.

Sechs markante Ziele innerhalb der Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissenen mittelalterlichen Ortsbefestigung wurden angesteuert. Zunächst die untere Wethgasse, wo über frühere Großbrände und Löschwasserversorgung informiert wurden. In unmittelbarer Nähe befand sich auch die im Pogromgeschehen am 10. November 1938 niedergebrannte Synagoge, an die ein Gedenkstein dort erinnert. Weiter ging es zur Hauptstraße zum Standort der frühesten lutherischen Kirche und über den Park, der bis 1906 der Rodheimer Friedhof war, zur Pfortgasse. Dort stand ehemals das Obertor der ab 1362 gebauten Ortsbefestigung. Im letzten Jahr war im Rahmen von Straßenbauarbeiten eine archäologisch begleitete Grabung erfolgt mit neuen Erkenntnissen zur Bausituation.

Nächstes Ziel war die Alte Schule (seit 2001 Kita „Alte Schule“) in der Junkergasse, die 1864 als erste staatliche Schule erbaut worden war, wie der nahe Junkernhof auf damals Bellersheim’schen Grund. Die Herren von Bellersheim waren im 16. Jahrhundert von dem wüst gefallenen Ort Stürzelheim nach Rodheim übergesiedelt.

Über die Königstraße, wo an einer Stelle noch ein kleines Stück der alten Ortsbefestigung zu sehen ist, zur Thurngasse, dem Standtort des ehemals markanten Kriminalturms, vom dem heute keine Reste mehr erhalten sind. Wir kennen ihn aber aus der Ortsansicht von 1714. Letzte Station waren die Evangelische Kirche und das ehemalige Hanauer Amtshaus, das spätere Rodheimer Rathaus, und danach rief zum gemeinsamen Ausklang das köstliche Kuchenbuffet der Rodheimer Landfrauen!

Rosbach rollt

Wie im vergangenen Jahr hat der RGHV im Rahmen der Aktion Stadtradeln 2022 wieder eine Radtour angeboten. Unter dem Motto „Rosbach rollt – Auf die Räder, fertig, los!“ fanden sich dazu am 26. Mai zahlreiche Teilnehmer auf dem Rodheimer Marktplatz ein. Nach einem Abriss zur Ortsgeschichte durch das Vorstandsmitglied Joachim Beuck, ging es unter der Leitung des RGHV-Vorsitzenden Dr. Karsten Brunk auf einen 20 km langen Rundkurs durch die Landschaft.

Entlang der Fahrtstrecke der Radtour „Geschichte unserer Kulturlandschaft“ gab es an einer Reihe von Punkten Wissenswertes zur Geschichte der Landschaft und deren vielfältige und nachhaltige Überprägung durch die menschliche Nutzung zu vermitteln. Hier nur eine Auswahl der vor Ort erläuterten Merkmale und Erscheinungen, wie die Entstehung von Wüstungen und Hohlwegen, die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Alten Berges, die Entwicklung und Ausprägung von Hoheits- und Gemarkungsgrenzen, die Geschichte der Altstraßen in der Region, die Spuren der Gewinnung von Lehm, Sand, Kies und Steinen in der Landschaft, die Grabhügel aus der Bronzezeit und ein Rückblick über die geologische Entwicklung des Senkungsgebietes Wetterau mit ihren seit Jahrtausenden geschätzten Vorzügen.

Wüstung Stürzelheim, Landwehr, Alte Burg, Erlenbachmühlen und Leitungswasser

Das Gras ist regennass und es ist kalt am 30. April – dennoch starten unter der Leitung von Karsten Brunk am späten Vormittag rund 30 Personen zu einer geschichtlichen Wanderung durch die ehemalige Stürzelheimer Terminey und bis zu den Rodheimer Mühlen am Erlenbach. Das an Burgholzhausen angrenzende Gebiet der Wüstung Stürzelheim ist heute Teil der Rodheimer Gemarkung.

Jenseits der Stürzelheimer Weide war bald der noch genau lokalisierbare Standort des burgartigen Hofes der Familien von Stürzelheim bzw. von Bellersheim erreicht. Das Anwesen im „Großen Garten“ hatte sogar den Wüstungsprozess im Gefolge der Pestwellen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts überdauert, von dem der Weiler Stürzelheim betroffen war. Spätestens im Laufe des 16. Jahrhunderts haben die von Bellersheim aber im befestigten Nachbarort Rodheim Besitz erlangt und später dort auch Wohnrecht erhalten. Das Anwesen Junkernhof zeugt bis heute davon.

Nächster Standort der Wanderung war die sogenannte Stürzelheimer Landwehr an der Grenze mit Burgholzhausen. Wie häufig und nachhaltig um den exakten Verlauf der Grenzmarken gestritten wurde, und das auch mit direkten Eingriffen und Disputen vor Ort, konnte mit Zitaten aus Grenzgangsprotokollen und mit Grenzrissen (Karten) dokumentiert werden. Entlang der letztlich seit 1783 ausgesteinten Gemarkungsgrenze ging es weiter bis an die Weinstraße, wo die Grenze der Stürzelheimer Landwehr im rechten Winkel nach Norden abknickt.

Der Weinstraße folgend, war an dieser historischen Wagenstraße oberhalb des Steilufers des Erlenbachs schon früh eine Schutzburg entstanden, die sogenannte Alte Burg von Holzhausen. Die Burganlage war bereits 1241 zerstört und nie wieder aufgebaut worden. Einige Personen mit dem Namenszusatz der damals ansässigen Lehensleute auf der Burg und im benachbarten Holzhausen, die sich ab etwa 1200 als von Holzhausen bezeichneten, haben vor allem im Stadtadel von Frankfurt nachhaltige Spuren hinterlassen.

Spätestens im 18. Jahrhundert sind die Burggräben verschüttet worden, auf deren südlichen Abschnitten später der Friedhof der Rodheimer Synagogengemeinde, zu der u.a. auch Burgholzhausen gehörte, angelegt wurde. Um 1830, 1842 und 1882/83 kam es zu Erweiterungen des Areals, das in der Nacht zum 10. November 1938 Nazi-Schergen geschändet und zerstört haben.

In Anbetracht des kühlen Wetters war anschließend eine Picknick-Pause am Erlenbach sehr willkommen. Im Windschutz eines Pavillons hatten hier Margot Mehring und Ute Veit etwas Leckeres zum Verzehr im Angebot.

Auch Rodheim hat mindestens eine ehemalige Mühle am Erlenbach, nämlich die Dickmühle. Sie wurde, wie auch die oberhalb am gleichen Mühlgraben liegende Tannenmühle, über lange Zeit von Müllern der Familie Vorbach betrieben, von denen seit langem ein Zweig bis heute in Rodheim beheimatet ist. Unterschiedliche Auffassungen gibt es seit Jahrhunderten bezüglich der territorialen Zugehörigkeit der Tannenmühle (auch bekannt als gebrannte Mühle oder Grunermühle). Also wieder Streitigkeiten mit teilweise kuriosen Ereignissen, die ihren Niederschlag in historischen Grenzrissen und Protokollen gefunden haben. Noch heute teilt die Gemarkungsgrenze das Gelände der seit 1959 nicht mehr betriebenen Mühle.

Auf dem Rückweg über den alten Mühlweg war schließlich ein Bauwerk auf dem Stotzenberg der letzte Haltepunkt. Der mit „Wasserversorgung Rodheim und Holzhausen 1927“ beschriftete Hochbehälter gehört zu den wichtigsten Meilensteinen in der langen Geschichte der örtlichen Wasserversorgung, als eine neue Wasserleitung aus Ober-Rosbach die Trinkwasserversorgung aus den innerörtlichen Brunnen ersetzte. Zu dem 1928 fertiggestellten Großprojekt gehörte neben individuellen Hausanschlüssen für das Leitungswasser auch der Bau einer Kanalisation. Bemessungsgrundlagen für den Wasserverbrauch waren bis 1953 nicht die tatsächlichen Wassermengen in m³, sondern Kriterien wie u.a. die Personenzahl im Haushalt, das Vorhandensein von Bad/Klo und die Anzahl an Stück Großvieh/Kleinvieh.

„Rosbach rollt“ mit dem RGHV: Eine Geschichts- und Landschaftstour durch die Gemarkungen

Unter dem Motto „Rosbach rollt“ nimmt die Stadt Rosbach v.d. Höhe auch in diesem Frühsommer wieder an der deutschlandweiten Klimaaktion STADTRADELN teil. Mit Unterstützung verschiedener Vereine und Organisationen wurden interessante Radtouren angeboten. So führte der Rodheimer Geschichts- und Heimatverein (RGHV) mit Unterstützung des Heimatgeschichtsvereins Rosbach (HGV) am 3. Juni eine Geschichts- und Landschaftstour durch die Rosbacher Gemarkung durch. Geleitet wurde sie von Dr. Karsten Brunk, dem Vorsitzenden des RGHV, der die Route auch ausgearbeitet hatte.

Pünktlich um 14.00 Uhr versammelten sich an der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach die angemeldeten Tour-Teilnehmer. Schon nach einer kurzen Wegstrecke gab es den ersten Halt. An der Wasserburg in Nieder-Rosbach wurden die Radler von Dr. Michael Limlei, Vorstand des HGV, begrüßt. Danach informierte sein Vereinskollege Herr Heinz Rahn über die wechselvolle Geschichte der Wasserburg.

Nachdem die Gruppe Nieder-Rosbach verlassen hatte, erreichte sie eine Anhöhe am Rande der ehemaligen Kiesgrube “Auf dem Köppel“. Von dort konnte sie einen wunderbaren Ausblick über die Wetterau bis hin zum Vogelsberg genießen. Dieser Standort bot Dr. Karsten Brunk die Gelegenheit, anschaulich die geologischen Ursachen, die zur Entstehung dieser Landschaft geführt hatten, zu erläutern.

Die nächste Station der Radtour waren die Hügelgräber im Beinhardswald. Dieses vorgeschichtliche Grabhügelfeld war hier in der Bronze- oder frühen Eisenzeit angelegt worden – wie damals üblich auf Anhöhen. Leider hat es immer wieder Grabräuber gegeben, die Hügelgräber im Laufe der Zeit ausgeplündert hätten.

Von hieraus führte die Route entlang von Getreidefeldern bis zum Hamstergraben östlich von Rodheim. Hier stellte Dr. Karsten Brunk den Teilnehmern den unsichtbaren „vierten und ältesten Ortsteil“ in der Rosbacher Gemarkung vor. Es handelt sich um den heute nicht mehr existierenden Ort Leichen (auch Lichen), der im Jahr 775 erstmals urkundlich erwähnt und vermutlich im Spätmittelalter aufgegeben wurde. Noch heute deuten alte Flurnamen, wie „Hinter der Leicher Kirche“ oder „Im Leicher Feld“, auf die Existenz dieses Ortes hin. Auch wenn von dem Ort selbst nichts mehr zu erkennen ist, so zeichnet sich die Leicher Straße, eine wichtige Nord-Süd-Verbindung in der Wetterau, durch eine deutlich sichtbare Vertiefung im Gelände ab.

Der nächste Halt in Rodheim war nun schnell erreicht. Dort auf dem Marktplatz angekommen, berichtete Herr Joachim Beuck vom RGHV-Vorstand den Teilnehmern, dass Rodheim dank eines Privilegs Kaiser Karl IV mit einer mittelalterlichen Befestigung versehen werden konnte, deren Mauer den Ort umschloss und nur von den beiden Toren, dem Ober- und dem Untertor, unterbrochen wurde. Joachim Beuck wies darauf hin, dass zu dieser Zeit der Marktplatz noch ein ganz anderes Aussehen gehabt hatte. Zwei Gebäude, die prägend für diesen Platz waren, nämlich das alte Rathaus und die spätmittelalterliche Kirche seien im 19. Jahrhundert abgerissen worden. Da auch der Nachfolgebau der Kirche bereits in den 1950er Jahren wegen Baufälligkeit ebenfalls abgebrochen wurde, entstand die heutige Situation, dass der mittelalterliche Kirchturm nun ohne Kirchenschiff dasteht.

Außerhalb von Rodheim folgte die Tour zunächst dem Kreuzweg. Dort machte Herr Dr. Karsten Brunk die Gruppe auf die rechts vom Weg gelegene „Lettkaut“ aufmerksam. An dieser Stelle wurde, wie an vielen Stellen in der näheren Umgebung von Rodheim, früher Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut. Möglicherweise gehen die Anfänge der Abgrabungen auch schon auf das Mittelalter zurück, als die Töpfer der nahe gelegenen Wüstung Wirtheim hier ihren Rohstoff gewannen.

Weiter Richtung Westen fahrend, erreichte die Gruppe schließlich die Weinstraße, der sie dann nordwärts folgte. Deren Name hat nichts mit dem Getränk zu tun, sondern leitet sich von „Wän“ oder „Waan“ für Wagen ab und bedeutet somit eigentlich „Wagenstraße“. Am westlichen Rand des Beinhardswaldes wies Dr. Karsten Brunk auf tiefe Geländeeinschnitte (Hohlwege) hin. Hierbei handelt es sich um die deutlich sichtbaren Errosionsspuren, die eine Jahrhunderte dauernde Benutzung der Weinstraße hervorgerufen hatte.

Südwestlich von Ober-Rosbach gab es nochmals auffällige Geländeformationen zu betrachten. Sie sind, wie Dr. Karsten Brunk ausführte, Zeugnisse des früheren Bergbaus in diesem Gebiet. Bis in die 1920er Jahre wurde dort Manganerz gewonnen und zwar sowohl bergmännisch als auch im Tagebau. Sichtbar geblieben sind nur die Abraumhalden.

Als letzte Station entlang der ca. 3-stündigen Rundtour erreichten die Radler den Marktplatz von Ober-Rosbach. Hier wurden sie wieder von Mitgliedern des HGV erwartet, von denen Herr Horst Pauly Interessantes über die Gebäude rings um den Marktplatz zu berichten hatte. Nachdem die Gruppe anschließend die 1883 in Ober-Rosbach gepflanzte Luthereiche passiert hatte, kehrte sie mit gut 18 Radelkilometern zum Startpunkt zurück.

Text: Joachim Beuck, Fotos: Carine Brunk

Kaiserpfalz Ingelheim und Ober-Ingelheim

Ober- und Nieder-Ingelheim sind und waren bedeutende Orte „auf der anderen Seite des Feldbergs“. Bereits auf der Hinfahrt konnte uns Jochen Beuck, Schriftführer des RGHV und Jurist, über die ‚Ingelheimer Haderbücher‘  (Hader = Streit) berichten, die zum Teil erhalten sind und die mittelalterliche Gerichtsbarkeit widerspiegeln.

In Ober-Ingelheim angekommen, präsentierte uns Gästeführer Hartmut Geißler die aktuelle Ausgrabung mit noch nicht eindeutig interpretierten Befunden der Merowingerzeit. Ein merowingisches Gräberfeld mit rund 3.200 Bestattungen in unmittelbarer Nähe belegt die vor-karolingische Besiedlung seit dem 6. Jahrhundert.

Dann ging es zur Burgkirche von Ober-Ingelheim, die mit einer mittelalterlichen Wehranlage umgeben ist und als eine der am besten erhaltenen befestigen Kirchenbauten gilt. Die Wehrmauer ist begehbar und so konnten die zahlreichen Um- und Erweiterungsbauten des hohen und späten Mittelalters, die sich nicht nur in den Stilelementen, sondern auch in den unterschiedlichen Höhen der Dachkonstruktion zeigen, aus nächster Nähe bestaunt werden.

Hinauf zum Restaurant am Bismarckturm zu einem guten Mittagessen bei bester Aussicht auf den Rheingau und kurzem Besuch im Tigergarten, wo den Großkatzen vom Restaurantbetreiber eine Heimstatt gegeben wird.

Am Nachmittag wurden wir in die karolingische Zeit entführt. In Nieder-Ingelheim finden sich Reste der bedeutenden Pfalzanlage, die auf Geheiß Karls des Großen im antiken Stil erbaut und von ihm mehrfach besucht wurde. Sein erster Besuch datiert ins Jahr 774. Friedrich Barbarossa ‚renovierte‘ die Pfalz im 12. Jahrhundert. Mauerreste der ausgedehnten Pfalzanlage sind teils oberirdisch erhalten und hervorragend restauriert oder als Bodenbefunde bekannt und im Straßenpflaster kenntlich gemacht.

Das Thema Reise-Königtum wurde in der anschließend besuchten Sonderausstellung „Der charismatische Ort – Stationen der reisenden Könige im Mittelalter“ vertieft, einer hochkarätigen Präsentation des politischen Wirkens der jeweiligen Herrscher anhand von Schriftstücken und teils originaler Funde.

Die Rotweinkönigin eröffnete pünktlich das Ingelheimer Rotweinfest, wo manch einer der Exkursionsteilnehmer gerne noch verweilt hätte!

Der Feldberg als Erinnerungsort

Der Feldberg – für die einen mag er nur die höchste Erhebung des Taunus‘ sein. Für Gregor Maier, Leiter des Fachbereichs Kultur des Hochtaunuskreises und des Kreisarchivs, ist er ein Ort lebendiger Geschichte und Gegenwart und das vermochte er in einem wahren Feuerwerk an Informationen den Zuhörern im voll besetzten Forum Faselstall des Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins (RGHV) am letzten Freitag nahe zu bringen.

Ein Ort der Mystik – bereits 1046 wurde der Brunhildisfelsen auf dem Feldbergplateau erstmals erwähnt. Erasmus Alber, Humanist, Theologe und Fabeldichter des frühen 16. Jahrhunderts, war der Feldberg einen Exkurs in seinen Reisebeschreibungen wert. Die veränderte Naturbetrachtung, die Höhe, die „Erhabenheit“, das Panorama, sprach die Menschen in der Romantik an, wobei die Taunusromantik als das kleine Geschwisterchen der Rheinromantik folgte, so Maier.

Natürlich war Goethe hier und als „ästhetisches Erlebnis“ beschreibt Johann Ludwig Christ, seit 1776 Pfarrer in Rodheim, ab 1786 Oberpfarrer in Kronberg und bekannter Pomologe, sein Empfinden beim Blick von dort in die Weite der Landschaft. Sogar die Turmspitze des Straßburger Münsters, des damals mit 142 m höchsten Gebäudes der Welt, meinte man von dort gesehen zu haben! (Anmerkung: Aufgrund der Erdkrümmung und topographischer Hindernisse, wie der östliche Rand des Pfälzer Waldes, ist dies jedoch nicht möglich).

Politische Strömungen eroberten den Feldberg ab Oktober 1814, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, der Feldberg wurde zum festlichen Symbol von „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die patriotisch orientierte Turnerbewegung, maßgeblich vorangetrieben durch den „Frankfurter Turnvater“ August Ravenstein, fand im Feldbergplateau das Ziel von Wander- und Turnfahrten und ab 1844 den Austragungsort für die Feldberg-Turnfeste. 1868 wurde hier der Taunus-Club gegründet, August Ravenstein, Kartograph, war einer der treibenden Kräfte hierfür wie auch für die Planung und Finanzierung des Baus von festen Unterkünften auf dem Gipfelplateau. Damit war die touristische Blütezeit des Feldbergs eingeläutet, der ab der 1920-er Jahre die Erschließung für den Autoverkehr folgte.

Große Entwicklung hätte der Feldberg nehmen können: Ernst Ritter von Marx, ab 1904 Landrat des Obertaunuskreises, hatte ihn als Austragungsort Olympischer Spiele angedacht und konnte ihn sich als patriotischen Symbolort im Rahmen des Wagner-Booms als „Zweites Bayreuth“ vorstellen. Die Pläne für die Freiluft-Arena waren bereits fertig!

RGHV Exkursion nach Herborn

Begleitet von strahlendem Sonnenschein und in landschaftlich sehr reizvoller Lage im Tal der Dill gelegen, wurden die diesjährigen Exkursionsziele des RGHV angesteuert: Herborn und Dillenburg. Wenn auch den Autobahnbenutzern auf der A45 (sog. Sauerlandlinie) als Anschlussstellen bekannt, so bleiben diese beiden am 18. August besuchten Städte meist doch nur „links liegen“. Dass dies ein Versäumnis ist, belegt nicht zuletzt die Resonanz der Mitfahrer, die von der herausragenden touristisch-historischen Attraktivität und Bedeutung der beiden Orte überrascht waren.

Besonders die Fachwerk- und Reformationsstadt Herborn begeistert ihre Besucher und der Marktplatz war am Samstag (18.8.18) als malerische Hochzeitslokalität und -kulisse sehr gefragt. Diesem Treiben konnten wir während unseres Mittagessens auf dem Marktplatz beiwohnen.

Davor brachte uns eine ausgezeichnete Gästeführerin während eines Stadtrundganges die besonderen Reize des „nassauischen Rothenburgs“ und die historischen Örtlichkeiten näher. Die historische Bedeutung liegt vor allem darin begründet, dass Herborn mit seiner 1584 gegründeten Hohen Schule, eine der wichtigsten Bildungsstätten der Calvinistisch-Reformierten in Europa war. Ihr bedeutendster Student war der Pädagoge Johann Amos Comenius und auch der bedeutendste frühneuzeitliche Landesherr von Rodheim, der Hanauer Graf Philipp Ludwig II., hat hier studiert. Ein weiterer Bezug zu Rodheim ist durch die hiesige Studienzeit des langjährigen Rodheimer Pfarrers Arthur Vigelius gegeben. Wegen ihrer herausragenden Bedeutung wurde Herborn 2016 der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.

Die Exkursionsgruppe vor dem Denkmal für Wilhelm von Oranien in Dillenburg

Die benachbarte Stadt Dillenburg schmückt sich ebenfalls mit einem kürzlich verliehenen Beinamen, nämlich „Oranienstadt“. Denn Dillenburg war Stammsitz des oranischen Zweiges des Hauses Nassau und hier wurde 1533 Wilhelm von Oranien (Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg), Namensgeber und Stammvater des niederländischen Königshauses, geboren. Als bedeutender Führer im niederländischen Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien starb er 1584 in Delft und Dillenburg ist deshalb heute ein wichtiges Reiseziel für zahlreiche niederländische Besucher. Wilhelm I. zu Ehren wurde auf dem Gelände des im 7-jährigen Krieg zerstörten Schlosses der Wilhelmsturm errichtet (heute Wahrzeichen der Stadt) und im Jahr 2000 von der niederländischen Königin ein Denkmal enthüllt.