Vortrag

am

14.01.2011

Bruodbiern unn Roaremer Mundoart

Unter diesem Motto stand eine überaus gelungene Veranstaltung, zu der der Rodheimer Geschichts- und Heimatverein und der örtliche Obst- und Gartenbauverein am 14. Januar 2011 in die Gaststätte „man trifft sich“ eingeladen hatten. Nach der Begrüßung der etwa 120 Besucher durch die beiden Vorsitzenden Karsten Brunk und Walter Soff waren alle auf die angekündigte Spezialität gespannt, nämlich „weiße Bruodbiern mit Kadoffelseload unn Flaaschwurscht“. Ermöglicht wurde dieser Genuss dadurch, dass die Ernte der kleinen und runden, weißen und ziemlich hartfleischigen Birnen im letzten Herbst doch eine recht reichhaltige Ausbeute beschert hatte.

Der Wirt der Gaststätte „man trifft sich“, Ulli Müller, hatte keine Mühe gescheut, um 40 Kilo Erntegut in die Röhre zu schieben. Begleitet von einer guten Portion Kartoffelsalat und je einem halben Ring Fleischwurst fanden die begehrten Schmor-Früchte schnell ihre Abnehmer. „Wir wollen, dass heimische Obstsorten aus unseren Streuobstwiesen wieder jene Beachtung finden, die sie verdient haben“, kommentierte Walter Soff die Aktion. Manche Obstbäume brauchten schließlich fast ein Menschenleben, um die Blüte ihrer Existenz erleben zu dürfen. Viel zu viele Obstbaumstücke gerieten im Laufe der Zeit in Vergessenheit und sähen nicht selten traurig aus.

Den Organisatoren gelang es mit Geschick und Lockerheit, die Historie, den Obstanbau und Kulinarisches heiter, unkompliziert und in mundartliche Beiträge eingebettet miteinander zu verbinden. So erinnerte Emmi Reller in ihrem Dialektbeitrag zum Beispiel an einen typischen Sonntagmorgen aus alten Zeiten, an dem die Bratbirnen bereits im Backofen schmurgelten, während die Familie noch den Sonntagsgottesdienst besuchte.

Das „Eintracht-Quartett“ des Gesangvereins (Heinz Jahr, Wolfgang Fitzner, Rainer Schaub und Frank Demmer) erfreute mit musikalischen Erinnerungen an den sonntäglichen Kirchenbesuch sowie an die „Runkel-Roibe-Ropp-Maschien“. Bäuerlich geprägt war auch der Stegreiftext von Walter Soff mit seinen Erinnerungen aus der Kindheit. Darin schilderte er sehr anschaulich und originell die Umstände um einen aufregenden Sommertag in den späten 1950er Jahren, an dem die Getreideernte am „richtigen“ Tag eingebracht werden konnte.

Einen Ausflug in die Mundartgeschichte unserer Region unternahm Manfred Bausum, der die Dialektentwicklung unter anderem mit Beispielen des „Kärbers“ Peter Geibel belegte. Karin von Hayn wiederum konzentrierte sich auf die örtliche Mundart und die damit amüsant verpackten Begebenheiten von „damals“. Und der Rodheimer Poet „Selzer Richard“, alias Richard Hofmann, kam nochmals durch seinen Urenkel Wolfgang Schäfer mit einem Gedicht zu Wort.

Emmi Reller überraschte neben ihrem Vortrag im Laufe des Abends noch mit einer weiteren Spezialität aus dem Backofen. Diese bestand aus einen Sack mit leckeren Grieben-Kratzkuchen, den sie unter den Zuhörern verteilte. Den musikalischen Abschluss des Abends markierte schließlich das vom „Eintracht-Quartett“ angestimmte und vom Publikum kräftig begleitete „Roarem“-Lied.

„Wir hatten an diesem Abend mit höchstens hundert Besuchern gerechnet“, sagte Karsten Brunk. Dass man sich mit dieser Zahl kräftig nach unten verschätzt hatte, freute nicht nur ihn, sondern auch alle anderen, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. „Wir sind zuversichtlich, auch in Zukunft aus der guten Zusammenarbeit zwischen Geschichts- und Obst- und Gartenbaubauverein ein neues Ereignis stemmen zu können“.