Vortrag

am

11.05.2012

Die Frühzeit des Mittelalters – Die ersten Franken in der Wetterau

Nachbetrachtung zum Vortrag von Prof. em. Dr. Hermann Ament, Mainz

Unser heutiges Siedlungsmuster entstand in seinen Grundzügen in fränkisch-merowingischer Zeit, somit liegen die Weiler und Höfe häufig unter den heutigen Ortskernen. Die Lage der Wohnplätze kann aber durch die Positionierung der Friedhöfe eingegrenzt, die ethnisch-soziale Struktur der Bewohner anhand der Ausstattung der Gräber erforscht werden.

In fränkischer Zeit etabliert sich die Sitte, die Toten in Reihen beizusetzen („Reihengräberfeld“), sie in voller Tracht und mit teils reichen Beigaben zu bestatten. Die Archäologen finden neben Keramik und gelegentlich Gläsern v.a. Waffen in den Männer- und Schmuckstücke sowie Zeichen der Schlüsselgewalt in den Frauengräbern.

Niedererlenbach, Grab 88: Glas- und Bernsteinperlen, eiserne Fibel (Brosche) mit Silbertauschierung (Durchmesser 6 cm)

Prof. Dr. Hermann Ament, emeritierter Professor für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz, führte am Freitag, dem 11.05.2012, eine große Zuhörerschaft in die Entwicklungen und Strukturen des frühen Mittelalters ein, erstmals im Forum Faselstall, dem neu etablierten Veranstaltungsraum des Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins. In Fortführung seines im letzten Jahr gehaltenen Vortrags, der die Umwälzungen der Völkerwanderungszeit, speziell die alamannischen Einflüsse in unserem Gebiet zum Thema hatte, ging es jetzt um die Entwicklungen der Folgezeit unter fränkisch-merowingischer Herrschaft.

Das große Ereignis an der Wende von der alamannischen zur fränkischen Vormacht war die Schlacht bei Zülpich 496 n. Chr. Chlodwig I., Sohn von Childerich I., dessen Grabinventar ebenfalls präsentiert wurde, war ein fränkischer König aus dem Geschlecht der Merowinger, der nach dem Sieg zum christlichen Glauben übertrat. So zeigen auch die Grabbeigaben, wie Ament speziell anhand der Gräberfelder von Nieder-Erlenbach und Wölfersheim-Berstadt belegte, ein Nebeneinander von Zeugnissen des frühen Christentums und Relikten heidnischen Aberglaubens. Es finden sich Darstellungen des Kreuzes beispielsweise auf Fibeln ebenso wie vorchristliche Symbole, die an den nordischen Tierstil erinnern.

Die Franziska, die fränkische Wurfaxt, der Sax, das einschneidige Hiebschwert, die Spatha, das zweischneidige Schwert, Cloissonnéarbeiten, mit Almandin verzierte Fibeln und Skelettfunde – anhand der daraus abgeleiteten archäologischen Ergebnisse ist es Professor Ament gelungen, ein brillantes Bild der Menschen der vorkarolingischen Zeit zu zeichnen, in der wir auf zeitgenössische, unmittelbare schriftliche Belege kaum zurück greifen können. Die Kenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten der Menschen dieser frühmittelalterlichen Epoche waren für die Zuhörer beeindruckend.