Archiv 2026

Exkursion/Führung

am

12. September 2026

Die Zeiteninsel bei Weimar und die Altstadt von Marburg

Ein wenig suchen mussten wir sie, die Zeiteninsel, das neueröffnete Archäologische Freilichtmuseum nahe Marburg. Eine Straßensperrung und die rudimentäre Beschilderung sorgten zunächst für kleine Verwirrungen. Aber zu Fuß über einen holprigen Wiesenweg wurde das erst im Juli neu eröffnete „Inselzentrum“, das Besucherzentrum der Anlage, noch pünktlich erreicht. Gebaut wird an der Zeiteninsel seit etwa 2010, ab 2014 begann der Museumsbetrieb. Ausschlaggebend für den Museumsstandort waren archäologische Funde mehrerer Epochen im Rahmen des industriellen Kiesabbaus in Nieder-Weimar. Gästeführer Matthias Koch-Schirrmeister leitete uns zunächst u.a. über 2 sehr „authentische“ Brücken zu einem mittelsteinzeitlichen Lagerplatz mit typischem Bewuchs und Unterständen, danach ging es zum Langhaus der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur. Die Gebäude im Maßstab 1:1 sind allesamt begehbar und weisen typische Inneneinrichtungen auf. Es folgten Anlagen der Bronze- und der Eisenzeit sowie der Römischen Kaiserzeit. An allen Objekten entstand durch die lebendigen Schilderungen von Herrn Koch ein Lebensbild der früheren Bewohner. Vertieft wurde der Eindruck durch einige historisch gewandete Mitarbeiter des museumspädagogischen Konzepts, die alte Handwerke darstellten.

Weiter nach Marburg. Gestärkt durch ein gutes Mittagessen waren wir bereit für Herrn Hans-Joachim Kaiser, der uns nach einer spannenden Einführung bergauf und bergab durch die am Schlosshügel gebaute Marburger Altstadt (Oberstadt) begleitete, vorbei am Relief der Heiligen Elisabeth am Rathaus, durch verwinkelte Gassen, entlang der Fassaden wunderschöner Fachwerkbauten. Marburg war im Krieg unzerstört geblieben und weist eine beeindruckende alte Bausubstanz auf. Es ist aber auch eine sehr junge, quirlige Stadt, wozu die vielen Studenten im Stadtbild beitragen. Marburgs Universität war bereits 1527 durch Philipp den Großmütigen als eine der ersten protestantischen Universitäten gegründet worden. Sie ist die älteste hessische Hochschule und beherbergt heute etwa 20.000 Studenten.

Beim Ausklang bei Kaffee und Kuchen konnten wir die neu gewonnenen Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen. Eine sehr schöne Exkursion bei bestem Wetter!

Text und Fotos: Ute Veit

Vereinsmitteilung

am

05.06.2026

Nachholtermin der Fahrradexkursion

Auf kulturhistorischen Spuren im östlichen Taunus

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte,

leider musste die für gestern vorgesehene Radtour durch den östlichen Taunus wegen massiver Wetter- einschließlich Sturmwarnungen noch am gestrigen Morgen vorsorglich abgesagt werden.

Wegen des großen Interesses habe ich den für gestern angemeldeten Teilnehmern einen Nachholtermin am Samstag, den 20.6.2026, vorgeschlagen.

Wer also noch Lust und Möglichkeit hat, kann sich uns dann gerne anschließen. Bei Teilnahme bitte ich wieder um eine entsprechende Mitteilung per RGHV-E-Mail:

rghv-rodheim@rodheimer-geschichtsverein.de

Veranstaltung: Auf kulturhistorischen Spuren im östlichen Taunus

Vortrag

am

13.03.2026

Der Limes in Hessen

Neue Forschungen am UNESCO-Welterbe

Dr. Kai Mückenberger M.A., hessenARCHÄOLOGIE – Landesamt für Denkmalpflege

Im Jahr 2025 jährte sich zum 20. Mal die Aufnahme des Obergermanisch-Raetischen Limes zusammen mit dem Hadrians- und dem Antoniuswall in Großbritannien in die Liste der Weltkulturerbestätten durch die UNESCO. Aber noch immer wartet die ehemalige Außengrenze des Römischen Reiches, errichtet gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. und bis etwa 260 n. Chr. genutzt, trotz jahrzehntelanger Forschung mit Überraschungen auf. Hierüber referierte Dr. Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe des Rheingau-Taunus- und des Hochtaunuskreises und Limeskoordinator für Hessen, beim RGHV.

Etwa 150 km lang ist der hessische Abschnitt des Limes, der von einer frühen Schneise mit Palisadenzaun zu einer aufwändigen Wall-Graben-Anlage weiterentwickelt wurde und in Waldgebieten besser als in der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Teilen noch erkennbar ist. Weithin sichtbar und zur Informationsweitergabe genutzt, die Limes-Wachtürme, zunächst in Holz-, später in Steinbauweise errichtet. Dr. Mückenberger fokussierte seine Ausführungen dann auf den Taunus-Wetteraulimes. Dessen Verlauf muss in manchen Bereichen korrigiert werden, wie geophysikalische Messungen ergeben haben, weg von der bisher angenommenen geraden Ausrichtung hin zur Anpassung an die topographischen Gegebenheiten im Gelände. Geophysikalische Untersuchungen waren es auch, die aus dem bisher bekannten „Kleinkastell“ Echzell Erkenntnisse zu dessen veritabler Größe lieferten.

Bild vom Kastell Kapersburg westlich von Rosbach - Ober-Rosbach
Foto: Karsten Brunk

Besonders beeindruckend waren die Ergebnisse, die Ausgrabungen in unmittelbarer Nähe des Kastells Kapersburg erbrachten. Man fand auf einer durch Umwelteinflüsse entwaldeten Fläche in nur geringer Tiefe Mauerreste des bislang nicht lokalisierten Vicus, dem Lagerdorf, in dem die Familien der Auxiliarsoldaten und Handwerker ansässig waren. Herausragend war hier der Fund eines Weihesteins, dessen Inschrift ihn dem Kriegsgott Mars widmet und Saturnius Vestitutus als Auftraggeber nennt.

Im Kohortenkastell Arnsburg-Alteburg bei Muschenheim konnte in den Jahren 2020 – 2022 ein Bustumgrab, eine aufwändig angelegte Brandbestattung, mit exzellenten Beigaben freigelegt werden. Viel Neues also zum Limes!

Text: Ute Veit