Vortrag

am

29.03.2019

Nida – Römische Hauptstadt der Wetterau

Vortrag von Dr. Carsten Wenzel am 29. März

Vortrag von Dr. Carsten Wenzel am 29. März

Referent:

Es war alles da, was die Struktur einer römischen Metropole ausmachte: Eine umgebende Mauer, ein Forum, öffentliche Bäder, ein Theater, ein Mithräum, Felder zur Bestattung der Verstorbenen. Im Fall von Nida gehörte sogar ein Flusshafen an der schiffbaren Nidda dazu und, wie wir aus neuen Funden wissen, der Kultbezirk, dessen Lage nun bekannt ist.

Als das ‚teutsche Pompeji‘ bezeichneten vor rund 200 Jahren die Altertumsforscher das Gelände des ‚Heidenfeldes‘ im heutigen Frankfurter Stadtteil Heddernheim, das sie erstmals ergraben und auf dem sie ’sehr merkwürdige Gegenstände der alten Römerstadt‘ gefunden hatten. Allgemein bekannt war der Besiedlungsplatz aber schon in den Jahrhunderten davor, diente er doch als ergiebige Quelle für benötigtes Baumaterial.

Nida war für etwa 200 Jahre n. Chr. der römische Zentralort in unserem Gebiet. Zunächst als Kastellvicus etwa 69 n. Chr. gegründet, entwickelte sich daraus eine prosperierende Zivilsiedlung, Handwerker- und Handelsmetropole, die in ihren besten Zeiten etwa 6.000 Einwohnern Schutz und Lebensraum bot.

Der Bau der Römerstadt in den Jahren 1927 -1929 zerstörte große Teile der vorhandenen Bausubstanz und mit Errichtung der Nordweststadt in den Jahren 1961 – 1973 wurde alt-besiedeltes Gelände überbaut, ohne Möglichkeiten zur archäologischen Aufnahme und Sicherung der Befunde. Ein Glücksfall, dass die Römerstadtschule einen Erweiterungsbau benötigte, der begleitende archäologische Untersuchungen erforderlich machte. 2016 wurde auf diesem Gelände der lange vermutete Kultbezirk von Nida nachgewiesen mit den Grundmauern von mindestens fünf Tempelbauten. Der Fund einer kleinen Adlerfigur mit Blitzbündel aus Bronze belegt den Kult um den höchsten römischen Gott Jupiter, der Fund einer Inschriftentafel belegt die Verehrung von Jupiter Dolichenus.

Gefundene bemalte Verputzfragmente zeigen die Pracht der Tempelausstattung, die Inhalte der etwa 130 ‚Kultgruben‘ lassen Opferhandlungen vermuten.

Dr. Carsten Wenzel, Kustos der Abteilung Römerzeit im Archäologischen Museum Frankfurt und „Herr“ über einen Großteil der Funde aus Nida, verstand es hervorragend, das vielköpfige Auditorium fachkompetent und dennoch mitreißend und humorvoll zu begeistern.