Exkursion/Führung

am

04.05.2024

Zum Rodheimer Waldhaus am Graueberg und zum Limes –„Jagdschloss“, Grenzkonflikte und Dreimärker

Gemarkungswanderung

Zu der vierten von Dr. Karsten Brunk geleiteten Gemarkungswanderung des Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins e. V. (RGHV) hatten sich am Vormittag 23 Personen auf dem Parkplatz „Bestattungswald“ beim Köpperner Hundesportplatz eingefunden. Von dort brachen wir mit einer kleinen Autokolonne, ausgestattet mit der erforderlichen Genehmigung, zum eigentlichen Startpunkt der Wanderung im Rodheimer Oberwald auf.

Unser erstes Ziel war das ehemalige Waldhaus am Graueberg. Hierbei handelt es sich um ein Jagdhaus aus dem 19. Jahrhundert, das von dem bekannten Bad Homburger Architekten Louis Jacobi entworfen worden war. Es diente den Homburger Kurgästen, die zur Jagd gehen wollten, als Unterkunft. Von dem kleinen Plateau am südöstlichen Abhang des Grauen Berges, auf dem das Haus errichtet worden war, muss „man eine wundervolle Aussicht auf die Nidda- und Maingegend“ gehabt haben. Heute wird der Blick allerdings durch einen schönen Buchenhochwald verstellt. Auch von dem „château de chasse de Rodheim“ (Jagdschloss von Rodheim), als das es sogar in einem zeitgenössischen französischen Reiseführer erwähnt wurde, ist heute außer einigen losen Steinen des Fundaments nichts mehr zu sehen. Als nächstes machten wir einen kleinen Abstecher zum Grauborn, einer mit Steinen eingefassten Quelle.

Bald darauf erreichten wir die sog. Grenzschneise. Hier erläuterte Karsten Brunk, dass Rodheim und Köppern seit dem Mittelalter ein großes Waldgebiet beiderseits dieser Schneise gemeinsam nutzten. Diese sog. Rodheim-Köpperner Mark wurde von einem Gremium aus dreizehn Personen verwaltet, an deren Spitze der Märkermeister und der Obermärker standen. Wegen der Waldnutzung kam es zwischen Köppern und Rodheim immer wieder zu Konflikten. Im 17./18. Jahrhundert war schließlich der Höhepunkt erreicht und es kam zur Teilung der Mark. Die 1738 neu gezogene Grenze zwischen dem Köpperner und dem Rodheimer Teil verlief genau entlang der jetzigen Grenzschneise, an der noch heute zahlreiche Grenzsteine zu finden sind.

An der Fuchslöcher-Hütte erwartete uns schon ein Team des RGHV, das uns mit Brötchen, warmem Fleischkäse sowie Kuchen und Getränken versorgte. Hier gesellte sich auch Bürgermeister Maar zu uns, der uns nach der Mittagspause noch bis zum Aussichtpunkt am Quarzit-Steinbruch begleitete. Von dort hat man einen grandiosen Blick auf das riesige Abbaugebiet. In seinen erdgeschichtlichen Erläuterungen führte Karsten Brunk aus, wie es zur Entstehung des Taunus-Quarzits kam, der hier bereits seit 1901 gebrochen wird. Heute wird der Steinbruch, dessen Wände bis zu 150 Meter in die Höhe ragen, von der Firma Holcim betrieben.

Wir folgten dann weiter der Grenzschneise, bis wir schließlich einen Dreimärker erreichten. Dieser Grenzstein markiert den westlichsten Punkt der Rodheimer Gemarkung, an dem die drei Gemarkungen von Rodheim, Köppern und Wehrheim aneinanderstoßen. Dieser Stein zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, denn er befindet sich im Graben des Limes, jener römerzeitlichen Grenzmarkierung, die früher auch als Pfahlgraben bezeichnet wurde. Der Limes diente nach dem Abzug der Römer auch im Mittelalter noch über Jahrhunderte als Grenzmarkierung zwischen verschiedenen Gemarkungen bzw. Hoheitsgebieten. Obwohl diese Grenze deutlich zu erkennen ist, kam es bei einem Grenzgang im Jahr 1752 genau am Standort des Dreimärkers zum Streit zwischen der Abordnung von Rodheim und der von Wehrheim über den genauen Verlauf. Über diese Auseinandersetzung berichtet ein Protokoll dieses Grenzgangs, aus dem Karsten Brunk zitierte, sehr anschaulich: Bei Grenzgängen hatten sich die Vertreter eines Ortes nur auf ihrem eigenen Gebiet aufzuhalten, durften die Grenze also nicht überschreiten. Der Streit entzündete sich nun daran, dass sich die Wehrheimer Teilnehmer auf den Wall des Limes stellten, während die Rodheimer den Wall noch als ihr Hoheitsgebiet ansahen, denn nach ihrer Auffassung verlief die Grenze in der Mitte des Grabens, so dass der Wall noch zu Rodheimer Gebiet gehörte. Der Konflikt konnte gerade noch friedlich beigelegt werden.

Es ist erstaunlich, dass Wall und Graben des Limes noch heute nach knapp 2000 Jahren immer noch gut im Gelände zu erkennen sind. Wir folgten diesem bedeutenden historischen Bauwerk, zu dem auch noch erhaltene Reste von Wachtürmen gehören, noch ein Stück und erreichten am Nachmittag wieder unsere Autos.